Biographie

privat
Der junge Leo Trepp mit Schulkollegen

Leo Trepp wurde am 4. März 1913 als Sohn von Maier und Selma Trepp, geb. Hirschberger in Mainz geboren. Von früher Kindheit an wurde er tief religiös erzogen und erhielt gleichzeitig von seinen Eltern Einblicke in die weltliche Kultur– Literatur, Kunst und Musik. Nach dem dreijährigen Grundschulbesuch besuchte er neun Jahre lang das Gymnasium. 1931 legte er das Abitur ab.

Anschließend studierte er Philosophie und Geisteswissenschaften an den Universitäten Frankfurt, Berlin und Würzburg. An der Universität Würzburg erhielt er im Jahr 1935 seine Doktorwürde (Dr. phil.). Zur gleichen Zeit studierte er an der Talmudhochschule in Frankfurt und dem Rabbinischen Seminar in Berlin, wo er 1936 als Rabbiner ordiniert wurde.

Im Jahre 1936 nahm er die Stelle als Landesrabbiner des Staates Oldenburg in Norddeutschland an. Er entschied sich für Oldenburg, wo die Juden in großer Not waren, da die Nationalsozialisten dort bereits in die Regierung gewählt worden waren. Seine Erfahrungen in dieser Zeit hat Trepp nie vergessen, aber er konnte den Oldenburger Juden helfen.

privat
Verlobung mit Miriam de Haas (1937)

1938 heiratete er Miriam de Haas, die Tochter seines verstorbenen Vorgängers. Im Dezember 1999 starb sie in San Rafael, Kalifornien.

Während der Reichspogromnacht im Jahre 1938 wurde Trepp verhaftet, die Synagogen im ganzen Staat wurden niedergebrannt. Trepp kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen, in dem unmenschliche Bedingungen herrschten. Durch die Hilfe des Chef-Rabbiners von Großbritannien, der ihn kannte, bekam Trepp ein einjähriges Einreisevisum für England. Unter der Bedingung, Deutschland innerhalb von zwei Wochen zu verlassen, wurde er aus dem Konzentrationslager entlassen. Ihm gelang die Ausreise. Während seiner Zeit in England konnte er seinem Bruder das Leben retten, der im Konzentrationslager Dachau interniert war, indem er ihn ebenfalls nach England brachte. Als ihm das Einreisevisum in die Vereinigten Staaten gewährt wurde, war er glücklich, in dieses freie Land emigrieren zu können. Wie die meisten Emigranten reiste das Ehepaar Trepp per Schiff und verbrachte Tage auf dem Ozean. Während der Überfahrt wurde ihr Dampfer mehrmals von deutschen U-Booten angegriffen.

Im Januar 1940 kam er in Boston, Massachusetts an und wurde bald Mitglied der offiziellen Vereinigung der Geistlichen. Es dauerte nicht lange, bis er regelmäßig im Radio sprach. Am Sonntag nach Ausbruch des Krieges auch in den Staaten wurde ein Gemeinschaftsgottesdienst in der anglikanischen Kirche gehalten, Trepp hielt die Predigt und leitete die Gemeinde im Gebet für Amerika.

privat
Leo Trepp beim Lesen der Tora

Seine erste rabbinische Stelle trat er in Greenfield, Massachusetts, an, einem typischen neuenglischen Städtchen, dessen Bewohner ihm die besten Lektionen in amerikanischer Demokratie erteilten. Nach einem kurzen Aufenthalt als Rabbiner in Newport News, wo er die rassistische Einstellung der Weißen gegen die schwarzen Amerikaner nicht ertragen konnte, nahm er eine Rabbiner-Stelle in der Gemeinde Somerville, Massachusetts, an. Somit bot sich ihm gleichzeitig die Möglichkeit, sich an der Harvard Universität einzuschreiben. Im Sommer 1945 wurden er und seine Frau als amerikanische Staatsbürger vereidigt. Es war einer der glücklichsten Momente seines Lebens. Kurz darauf, im Jahre 1946, folgte er dem Ruf, als Rabbiner nach Tacoma, Washington, zu gehen. Dort wurde 1947 seine Tochter Susan geboren.

Auf seine Idee hin organisierten die Juden von Tacoma eine überwältigende Massenversammlung, auf der Orson Welles eine Rede hielt. Eines von Trepps Anliegen war es, gemeinsam mit den Professoren der University of Washington in Seattle eine Zusammenarbeit zwischen Religion und wissenschaftlicher Psychologie herzustellen.  Dies war ein Thema, mit dem er sich intensiv beschäftigte, und auf das ihn erstmals sein Freund, Rabbiner Joshua Loth Liebman aus Boston, aufmerksam gemacht hatte. In seinem Bestseller „Peace of Mind“ schreibt Liebman darüber für ein breites Publikum.

Im Jahre 1948 nahm Trepp das Angebot der neu gegründeten jüdischen Gemeinde in Berkely, Kalifornien, an und wurde ihr erster Vollzeit-Rabbiner. 1951 weihte er die erste Synagoge der Gemeinde ein. Er studierte an der University of California und erhielt dort auf Empfehlung ein Angebot des Napa College, Philosophie und Geisteswissenschaften zu lehren. Im gleichen Jahr nahm er die Stelle an, und blieb als aktiver Professor bis 1983 am College. Des Weiteren stellte er Zeit zur Verfügung, neue jüdische Gemeinden zu gründen und/oder weiterzuentwickeln, die damals alle arm waren. Zwei Beispiele veranschaulichen seine Bestrebungen:

  • Die Gemeinde Santa Rosa, Kalifornien, in der er zehn Jahre lang als Gründungs-Rabbiner tätig war, führte er zu großem Erfolg. Als er die Gemeinde verließ, nahm er gern die Ehrenmitgliedschaft an, mit der sie ihn auszeichnete.
  • Eureka, Kalifornien, ist ein anderes Beispiel. Er wurde von 14 Menschen gebeten, bei der Errichtung einer Gemeinde mitzuhelfen. Unter seiner Leitung wurde eine Synagoge gebaut und von ihm eingeweiht. Als er ging, hinterließ er eine lebendige Gemeinschaft, die sich einen hauptamtlichen Rabbiner leisten konnte, er wurde zum „Rabbi emeritus“ ernannt.

Beides sind nun florierende Gemeinden mit Vollzeit-Rabbinern.

Anschließend diente er als jüdischer Seelsorger im Haus der kalifornischen Veteranen (Veterans Home of California) in Yountville (es ist das größte seiner Art in den Vereinigten Staaten). Zuerst arbeitete er als Freiwilliger, dann als Angestellter. Hier diente er allen Veteranen, nicht nur den Juden. Sein größter Erfolg war jedoch, für die jüdischen Veteranen eine Synagoge zu errichten. Er brachte die Verwaltung dazu, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und organisierte von weit her die wertvollen Gegenstände wie die handgemachte Ausstattung und die Thora-Rollen. Die Kapelle sollte seinen Namen tragen.

Am 15. Dezember 1999 starb seine Frau Miriam. Ihre enge Freundin, die junge Witwe Gunda Wöbken-Ekert, wurde zunächst eine starke Quelle seelischer Unterstützung für ihn, 2000 wurde sie seine neue Lebenspartnerin und schließlich seine zweite Ehefrau.

Trepp erachtete es als fundamental wichtig, weitläufig in deutschen Städten und Gemeinden zu referieren. Er glaubte stets daran, dass der beste Weg, neuem Antisemitismus entgegenzuwirken, sei, Wissen über das Judentum und die Ethik und Philosophie des jüdischen Volkes zu verbreiten. Des Weiteren betrachtete er es als unabdingbare Notwendigkeit, das Judentum durch das geschriebene Wort zu lehren.

Im Jahre 1981 wurde er von deutschen Vertretern eingeladen, einige Zeit in Deutschland zu verbringen, um an Universitäten und in Gemeinden das Judentum zu lehren. Trepp nahm an und unterrichtete seither jedes Jahr ein Semester lang in Deutschland. Er wurde Honorarprofessor für Judaistische Studien an der Universität Mainz. Dort wurde ihm zudem die seltene Ehre zuteil, zum Ehrensenator der Universität ernannt zu werden. Seitdem war er zusätzlich Teil der Lehrkörper der Universitäten Frankfurt/Main, Berlin und Oldenburg. Er hielt Vorträge an den Universitäten Hamburg, Freiburg, Heidelberg, Greifswald und anderen, an unzähligen Orten hat er Lesungen und Vorträge über die jüdische Religion und Philosophie gehalten.

Eindrücke aus dem Leben von Leo Trepp

Weiterführende biographische Informationen:

Diese Quellen aus dem Archiv des Leo Baeck Instituts in New York erlauben Einblicke in die Familiengeschichte der Familie Trepp beginnend mit dem 16. Jahrhundert. Des Weiteren erhält man Zugang zum (englischsprachigen) Manuskripts Leo Trepps namens „Oldenburg– Mirror of Jewish Destiny“, welches weite Teile 1973 veröffentlichten Buches “Die Oldenburger Judenschaft” (1973) beinhaltet. Zudem sind Schriften über Mainz und seine Minhagim zu finden.

Informationen zur Familie Trepp im Leo Baeck Institut (auf Englisch).

Kommentare sind geschlossen.