Überblick über sein Werk

Judentum zu den Menschen bringen

Welche Fragen haben die Menschen an die jüdische Religion? Wie lassen sich die komplexen Geschichten der hebräischen Bibel und ihre Bedeutung in einer Weise erklären, dass es sowohl Juden wie auch Nichtjuden verstehen? In den sechziger Jahren beginnt Leo Trepp, Bücher über das Judentum zu verfassen. Sie sollen anspruchsvoll sein, aber verständlich. Seine Ausführung „möchte“, wie er im Vorwort zu seinem deutschen Buch ‚Die Juden‘ schreibt, „dazu beitragen, die jüdische Religion als einen lebendigen Glauben verstehen zu lernen, die Weite und Tiefe ihres Wirkens und die bleibenden Errungenschaften, die sie der Menschheit brachte, zu erkennen, zugleich aber auch einen Eindruck vermitteln von der Gemütswärme, dem Charme des jüdischen Glaubens und Lebens sowie der unwiderstehlichen Kraft, mit der das jüdische Geisteserbe auf seine Bewahrer wirkt.“

Das Buch gibt wie einige andere seiner Bücher eine Einführung in das Judentum und eine Übersicht für Menschen, die kaum oder keine Vorkenntnisse über die Materie haben. Um Texte so zu gestalten, muss der Autor immer auch einordnen und interpretieren. Trepp hat bei aller Offenheit Wert darauf gelegt, sich an der rabbinischen Auslegung zu orientieren, von der er schreibt, dass die Betrachtungsweise der Rabbiner das Verständnis der Juden von der Bibel geprägt habe.

„Was ist denn eine Jude? Am ehesten lässt er sich vielleicht als ein Mensch definieren, der sich für einen Juden hält, weil er sich dem jüdischen Volk auf Gedeih und Verderb zugehörig fühlt." - Leo Trepp

In den Vereinigten Staaten äußerte er sich in zahlreichen Veröffentlichungen über den Zustand des Judentums und des jüdischen Lebens und setzt sich mit Fragen auseinander, die sich aus dem Aufeinandertreffen von Religion und einer modernen Gesellschaft ergeben. Aus verschiedenen Perspektiven thematisiert er über Jahrzehnte mögliche Antworten des Judentums auf soziale und gesellschaftliche Fragen und Probleme. Genauso wichtig wird ihm bleiben, Christen und Muslimen die Offenheit der jüdischen Religion nahezubringen, und deutlich zu machen, das Denker und Lehrer des Judentums beide Nachfolgereligionen achten und ihren Wert schätzen. Und da gemäß der jüdischen Lehre ohnehin allen guten Menschen ein Platz im Himmel sicher ist, müssen Juden nicht missionieren.

Trepp schreibt sowohl für Juden als für Nichtjuden. Besonders die Unwissenheit vieler Juden macht ihm Sorge, er befürchtet, dass Judentum und die jüdische Gemeinschaft stark leiden und sich reduzieren könne, wenn Juden unter ‚Integration‘ in eine nichtjüdische Gesellschaft zunehmend ‚Assimilation‘ verstünden. Und oft verstünden selbst Reformjuden, die das Judentum vorantreiben und modernisieren wollten, darunter eine verstärkte Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft. Für Trepp bedeutete das Judesein, die Welt ‚mit jüdischen Augen‘ zu sehen. Für ihn war es unmöglich, dass sich Juden auf der einen Seite als ‚orthodox‘ definierten, dann aber die Speisegesetze oder Regeln des Schabbat nicht einhielten oder sich im Geschäftsleben und in der Arbeitswelt unethisch und damit aus seiner Sicht unjüdisch verhielten. Diese Gespaltenheit des Lebens irritierte ihn in seinen ersten Jahren seines Lebens in den vereinigten Staaten genauso wie später in neuen Gemeinden in Deutschland. Er hielt es für unerlässlich, das Judentum gemäß den Bedürfnissen und Erfordernissen der Zeit weiterzuentwickeln, wenn es für die Gläubigen relevant bleiben sollte, ohne Zugeständnisse an Essentielles wie tägliche Gebete oder zahlreiche Mitzwot zu machen. Um besonders für junge Juden auf der Suche nach Sinn auch ihre eigene Religion attraktiver zu gestalten, überlegte er unter anderem, alte Elemente des Gottesdienstes wieder neu zu beleben, die die Mitglieder aktiver einbezogen. Mehr dazu finden Sie hier.

Für Christen und später Muslime unter den Nichtjuden findet er das Wissen über die jüdische Ethik und Lehre unerlässlich.  Er geht davon aus, dass Menschen antisemitisches Gedankengut weniger leicht entwickeln, wenn sie mit den Grundwerten der jüdischen Lehre vertraut sind. Außerdem helfe ihnen ein solideres Wissen über das Judentum auch, weil sie so ihren eigenen Glauben besser einordnen und verstehen könnten, da vieles darin auf der jüdischen Lehre beruht. In seinen Schriften vertraut Trepp auf die soziale Kraft der jüdischen Ethik, die, so ist er überzeugt, auch Nichtjuden ansprechen und sie das Judentum anders beurteilen lässt.

„Alle wollen das Gute, wie sie es erkannt. Alle wollen das Heil der Brüder." - Samson Raphael Hirsch in seinem 17. Brief über die Reformbewegung. Der neo-orthodoxe Rabbiner teilte mit der Reform die Erkenntnis, dass Judentum immer eine Bedeutung für die Juden der Gegenwart haben muss.

Dissertation
  • Taine, Montaigne, Richeome; Ihre Auffassungen von Religion und Kirche; ein Beitrag zur französischen Wesenskultur, Diss. Würzburg 1935.
Publikationen (Auswahl)

Untenstehend finden Sie eine Auswahl von Büchern und Essays

  1. „Samson Raphael Hirsch und Heinrich Grätz in Oldenburg“, Jahrbuch SH/Hansestädte 9 (1937/1938), S. 26-32
  2. “Hirsch and Graetz. Two Interpreters of Jewish Tradition”, The Reconstructionist 03/1943 (Jg. 8)
  3. “Government in Exile”, The Reconstructionist 05/ 1943 (Jg. 8)
  4. “The Parable of the Three Rings”, The Reconstructionist 03/1944 (Jg. 9)
  5. “Creizenach: Reform’s Evolutionary Pioneer“, Liberal Judaism 10/1944
  6. “The Mezuza”, Liberal Judaism 02/1945
  7. “God and Man”, Reconstructionist 05/1945 (Jg. 10)
  8. “Of German Jewry”, Conservative Judaism 3 (Nov. 1946), S. 1-8
  9. “Reflection on the Convention of the Federal Council of Churches”, The Reconstructionist 01/1947 (Jg. 12)
  10. Rezension von J. Liebman, Peace of Mind, in Conservative Judaism 3 (Febr. 1947), S. 43-46
  11. Rez. von Saadia Gaon, The Book of Doctrines and Beliefs, in Conservative Judaism 4 (Okt. 1947), S. 19-21
  12. “Franz Rosenzweig’s Spiritual Biography”, The Reconstructionist 17.10.1947 (Jg. 12)
  13. “The Philosophy of Franz Rosenzweig and that of Reconstructionism”, The Reconstructionist 31.10.1947 (Jg. 12)
  14. “The Action Program of Franz Rosenzweig and that of Reconstructionism”, The Reconstructionist 14.11.1947 (Jg. 12)
  15. “Teachers Attitudes on moral and spiritual Values”, California Journal of secondary Education May 1953
  16. “Report on Teacher Attitudes Regarding Moral and Spiritual Values in Public Education”, Religious Education 48 (1953), S. 166
  17. “Vignettes of a Trip to Europe in 1954”, The Reconstructionist 02/1956 (Jg. 21)
  18. “Experiencing Western Civilization”, Junior College Journal 28 (1957), S. 150ff
  19. “Venice Revisided”, The Reconstructionist 01/1957 (Jg. 22)
  20. “Social Sciences and Humanities in Junior College“, California Journal of Secondary Education 33 (1958), S. 280ff
  21. Eternal faith, eternal people; a journey into Judaism, 1962
  22. Die Landesgemeinde der Juden in Oldenburg, 1965
  23. Judaism; development and life, 1966
  24. “Last Visit with Martin Buber”, National Jewish Monthly 05/1966
  25. “Hermann Cohen as Philosopher and Ben B’rith“, National Jewish Monthly 06/1967
  26. Das Judentum: Geschichte und lebendige Gegenwart, 1969
  27. „Ein Vorschlag zur Verjudung der Kirche“, Emuna 4 (1969), S. 363-366
  28. “Marc Bloch seen in Jewish perspective”, Conservative Judaism 25 (1971), S. 64-74
  29. „Michael Creizenach und Markus Lehmann – Zwei jüdische Erzieher aus Mainz“, Das neue Mainz 07/1970
  30. „Randbemerkung eines Juden zum Ökumenischen Pfingstreffen Augsburg 1971“, Emuna 6 (1971), S. 210f
  31. „Leopold Zunz. Eine Einführung in das Wollen und Wirken des Vorkämpfers der Wissenschaft des Judentums“, Emuna 7 (1972), S. 248-254
  32. „Die Schrift im Lichte des Talmuds”, Emuna 7 (1972), S. 330-338
  33. A history of the Jewish experience: eternal faith, eternal people, New York 1973, 2. erweiterte Aufl. Springfield 2001; auch spanisch Una Historia de la Experienca Judia
  34. Die Oldenburger Judenschaft, Oldenburg 1973
  35. Bild und Vorbild jüdischen Seins in Deutschland, 1974
  36. „Mordecai Kaplan und der Reconstructionismus“, Emuna 10 (1975), S. 98-101
  37. „Über Mainz und seine Minhagim”, Udim 6 (1975/1976), S. 125-133
  38. „Gedanken zur Stellung der Frau“, Tradition und Erneuerung 42 (Bern 1977), S. 28-32
  39. The complete book of Jewish observance, 1980
  40. „Festrede”, Schlossgymnasium Mainz zum 150. Jubiläum, 1981
  41. “Recollection of a Trialogue (of Christians, Muslims and Jews)”, Jewish Spectator 46 (Herbst [Fall] 1981)
  42. Rezension von Ernst Simon, Entscheidung zum Judentum, in Tradition und Erneuerung 1982, Nr. 4
  43. „Jüdische Ethik: Grundlagen und Lebensformen“, R. Mokrosch u. a. (Hrsg.), Ethik in nichtchristlichen Kulturen, Stuttgart 1984
  44. “Judaism and the religions of the world”, The Experience of Religious Diversity, hrsg. v. John Hick u. Hasan Askari, Aldershot 1985, S. 34-52
  45. “What if Shylock were a Marrano”, Sh’ma 1985
  46. “Toward a ‘S'likhah’ on the Holocaust“, Judaism 35 (1986), S. 344
  47. Juden: Volk, Geschichte, Religion, überarb. und erweiterte Nd. 1987
  48. Schicksale jüdischer Mitbürger im Rheinland: Vortrag, 1987
  49. “A Reappraisal of Samson Raphael Hirsch“, Journal of Reform Judaism 34 (1987), S. 29-40
  50. Jüdische Ethik, 1988
  51. Die Wissenschaft des Judentums und die deutsche Universität. Ein Vortrag [gehalten anläßlich der Verleihung der Honorarprofessorenwürde am 5. Juli 1988], 1989
  52. „Jüdische Studien an deutscher Universität“, Dem Vergessen entgegentreten. Reden zum 50. Jahrestag der Pogrome 1938 (Oldenburger Universitätsreden 25, hrsg. von Henry G. Brandt, Michael Daxner und Leo Trepp), Oldenburg 1989, S. 31-54
  53. „Im Gespräch mit den Toten. Ein Gang über den Neuen Jüdischen Friedhof in Mainz“, Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte 10 (1990), Heft 4, S. 80-86; 11 (1991), Heft 1, S. 122-127, und Heft 2, S. 100-104
  54. Die amerikanischen Juden. Profil einer Gemeinschaft, 1991
  55. “Yamim Noraim: The Traditional Liturgy and ‘Gates of Repentance’”, CCAR Journal 38 (1991), S. 23-40
  56. Der jüdische Gottesdienst, 1992, 2. erw. Aufl. 2004
  57. “Segregation or unity in diversity. The controversy between Samson Raphael Hirsch and Seligmann Bär Bamberger and its significance”, Bits of Honey. Essays for Samson H. Levey, hrsg. v. Stanley F. Chyet u. David H. Ellenson, Atlanta 1993, S. 289-310; vgl. Trumah 5 (1996; dt.)
  58. „Geschichte des nachbiblischen Judentums in Grundzügen“, (zus. mit Günter Mayer), Das Judentum, hrsg. von Günter Mayer [Die Religionen der Menschheit 27], Stuttgart 1994, S. 17-72
  59. „Jüdisches Denken im 20. Jahrhundert“, ebd., S. 223-406
  60. Geschichte der deutschen Juden, 1996
  61. “Divine intervention and miracles in Jewish thought”, Divine Intervention and Miracles in Jewish Theology, hrsg. v. Dan Cohn-Sherbok, Lewiston/NY 1996, S. 1-33
  62. Die Juden – Volk – Religion – Geschichte, 4. Aufl. 1998
  63. Das Vermächtnis der deutschen Juden, 2000
  64. Judaism, Development and Life, 4. Aufl. 2000
  65. „Kardinal Lehmann. Eine Würdigung“, Albert Raffelt (Hrsg.), Weg und Weite. Festschrift für Karl Lehmann, 2001
  66. Nigune Magenza – Die liturgischen Gesänge von Mainz (mit 2 CDs), 2004
  67. Dein Gott ist mein Gott – Wege zum Judentum und zur jüdischen Gemeinschaft (zus. mit Gunda Woebken-Ekert), 2005
  68. „Gedenkrede. Der 27. Januar – Zerfall – Wendepunkt – Hoffnung“, Gedenksitzung des Landtags Rheinland-Pfalz aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2005, hrsg. vom Landtag Rheinland-Pfalz 2005
  69. „Mainzer Rabbiner in Mittelalter und Neuzeit“, Die Mainzer Synagoge; ein Überblick über die Mainzer Synagogenbauwerke mit ergänzenden Beiträgen über bedeutende Mainzer Rabbiner, das alte Judenviertel und die Bibliotheken der jüdischen Gemeinden, hrsg. v. Hedwig Brüchert, Mainz 2008, S. 15-32
  70. „Ein vernichtetes und vergessenes Heiligtum in Mainz: die Synagoge in der Flachsmarktstraße“, ebd., S. 63-76.
Bildmaterialien
  1. Erinnerungsbuch Oldenburg, 2001, S. 44
  2. Hist. Handbuch Niedersachsen/Bremen, 2005, S. 1190.
Mitgliedschaften
  • Rabbinical Assembly
  • Central Conference of American Rabbis
  • San Francisco Board of Rabbis
  • American Academy of Religion
  • American Philosophical Association
Literatur
  • CVZ 26.11.1936 (Jg. 15, Nr. 48), S. 14, Wahl zum Landesrb. in Oldenburg
  • Emuna 4 (1969), S. 363
  • Emuna 7 (1972), S. 243
  • Tetzlaff, Kurzbiographien, 1982, S. 338
  • Horst Milde, Leo Trepp. Ehrenbürger der Stadt Oldenburg, 1987
  • Walk, Kurzbiographien, S. 368
  • Hildesheimer, RS, S. 105
  • Erinnerungsbuch Oldenburg, 2001, S. 146
  • Mainzer Allgemeine Zeitung 08.05.2003
  • Mainzer Rhein-Zeitung 08.05.2003
  • Evangelische Kirchenzeitung 23/2003, S. 19, und 28/2003
  • Hist. Handbuch Niedersachsen/Bremen, 2005, S. 1187, 1189
  • Eliav/Hildesheimer, S. 25